25. Mai 2020                                                   Zeitgeist


Wenige Tage nachdem ich die Schweiz nach dem Frühjahresseminar fluchtartig (innerhalb von 5 Stunden) verlassen habe und als Coronaflüchtling eine Fähre nach Hause erreichte hatte ich einen für mich bemerkenswerten Traum.


„ In mitten einer unüberschaubaren grauen Masse irrte ich in einer dunkel-diesigen Herbstlandschaft auf einer perfekt ausgebauten Hauptstrasse auf eine kleine Kreuzung zu. Die graue Masse wurde mehr und mehr zu einem menschlichen Flüchtlingsstrom. Dazu hörte ich dass diese Masse die Corona-Flüchtlinge sind, ziellos, fremdgeleitet und in panischer Angst gefangen. Es war eine sehr niederschmetternde und extrem herausfordernde Situation mit diesen Gefühlen einigermassen um zu gehen.  Ich durfte die Menschen in diese Leid sehr deutlich wahrnehmen :-( und wanderte mit ihnen auf eben diese Kreuzung zu. Die Abzweigung nach links führte in eine Sonnenaufgangslandschaft, helles Grün mit allerlei blühenden Pflanzen, rechts führte die Strasse, mehr zu einem ausgetreten Kiesweg werdend in eine dunkelgraue, in der Ferne von Ruinen gesäumte Stadtlandschaft. Einige wenige Menschen bogen auf den „Lichtpfad“ die Masse aber nahm den rechten wohlbekannten und schon lange begangenen Weg. Da sah ich einen riesigen Hammer im Tiefflug auf die Menschen zu rasen und hörte: „Wenn ihr diesen Weg nehmt trifft euch der Hammer voll in die Fresse (diese Worte!). Er wird den großen Bruder von  Corona und ihre zornige kleine Schwester mitbringen“.. und damit wachte ich sofort auf.


Die Richtungen links und rechts sind nicht politisch gemeint… eher ist der rechte Weg der Rechte, so wie er eben sein muss, wie wir alle ihn kennen etc… und der linke ist einfach die Alternative.


Der Traum hat mich in eine Art Schockzustand versetzt, ich brauchte Tage um mich etwas zu erholen und wiederholte (natürlich) mein gewohntes Muster zu grummeln und zu brummen. Als ich mich etwas zurecht gebüschelt hatte entschlossen wir uns (die gesamte Familie) eine Reise mit der Frage: „Wie kommen wir durch die Corona-Zeit?“ zu machen. Diese Reise machten wir in unserer Schlafjurte, Seraina und Flurina trommelten, Jeannette und ich reisten. Diese Familienreise gehört zu den bemerkenswertesten Reisen welche ich erleben durfte. Die beiden trommelnden Girls fanden bald ihre Rhythmen .. jede einen anderen. Die jüngere Tochter wurde immer schneller, die Ältere versuchte sie etwas zu bremsen..bis nichts mehr ging. Auf jeden Fall starteten wir ein zweites Mal. Selbe Trommelerfahrung, nur gab ich mich dieser Spannung hin. Schnell war ich in einer weiten, eher düsteren wüstenartigen Landschaft unterwegs und traf auf eine gigantische dunkle Masse welche im innern eigenartig rot-bräunlich leuchtete. In diesem Moment knallte es neben der Jurte, das Ding schüttelte sich und die Trommel der älteren Tochter hörte auf zu singen (keine Obertöne mehr).. aber die Jüngere und ihre Trommel starteten so richtig durch… ganze Chöre wurden hörbar. Zu diesem Zeitpunkt begegnete ich dem Wesen von Corona und fragte: „Was bist Du?“ und erhielt als Antwort: „Die Essenz des Zeitgeistes“ Ich war dann längere Zeit von der Energie dieses Wesens (diesem Dämonen) absorbiert. Ich erlebt eine ungeheure Wucht an Verzweiflung, Angst, aber auch Überheblichkeit, Gier, Neid, Missgunst… und tauchte tief in die Abgründe der Essenz des Zeitgeistes ein. So schnell wie der Dämon erschien wurde er wieder entfernt. wie von magischer Hand gezogen verschwand er in einem weiss aufblitzenden Licht, die Trommel der älteren Tochter sang wieder und  fand zusammen mit den Klängen der Trommel der jüngeren Tochter einen gemeinsamen Rhythmus. Wir kehrten dann beide (meine Lebenspartnerin und ich) von unseren Reisen zurück.

Als ich in einer der folgenden Nächte in einem Traum nachfragte warum die Trommel der Jüngeren weiter sang bekam ich als Antwort: „ Weil sie im Herzen rein und unbefangen ist"


Was mir immer wieder auffällt ist die Aufforderung ganz genau auf uns zu schauen, auf die tiefere Motivation, darauf warum ich was wie mache. Und als weiteres beobachte ich (nicht nur bei mir selber) wie einfach wir in unser Wurzelverhalten (als Ausdruck der Wurzeltendenzen) fallen und dann das alt-bekannte Verhalten von neuem produziere, ich z.B. gehe dann in meinen Wut- und Grummelmodus. Fühle ich nach was ich im Moment wirklich bräuchte lande ich bei „tiefer Stille“. Ich empfinde die Welt und alles um mich herum als unendlich und extrem laut.. und möchte ja nur zurück in die Stille.

So fällt mir auf, dass wir in der Zeit der Achtsamkeit leben. Die ganze Pandemie, der beobachtbare Irr-Sinn, die verzweifelten Versuche zurück in ein krankmachendes Normalleben. (Die idiotische Forderung: „Gebt uns unser Leben zurück“… als ob sie im Moment nicht leben würden… Zombie’s?) ist geradezu eines der grossen Leitsymptome des Zeitgeistes. Der Dämon welcher sich als Corona-Virus zeigt führt uns schnell und ganz deutlich vor Augen wie sinnentleert unsere Gesellschaft ist, wie umfassend abgespalten von der Natur wir Menschen wirklich leben. Auf den Punkt gebracht kann ich behaupten, dass das Leben des modernen Menschen ( :-) ) vor allem ein Leben in Spaltung, in Ab- und Aufspaltung ist. In der Sozial-Psychologie würde ich hier jetzt von Dissotiation (der Begriff wird hier von mir im Sinne von aufspalten in verschiedenen Lebens- und Wirklichkeitsbereiche benützt) sprechen. Der Zeitgeist führt uns vor Augen wie abgespalten wir von der natürlichen Realität leben, und wie losgelöst von lebensnotwendigem das Meiste was mir machen ist.


Für mich ist die Antwort auf den Coronadämonnen:


• Sei Achtsam; beobachte dich sorgfältig (und liebevoll-kritisch) selber sehr genau

• Was immer mich triggert… benütze es zum Aufwachen in die Achtsamkeit.

• Um was geht es in deinem Leben

• Kultivieren deine Herzessenz …..und nicht deine Wurzeltendenzen


Diese Zeit ist perfekt geeignet um meine tiefen Wurzeltendenzen zu pirschen und neue, echtere herzzentrierter Verhaltens- Fühl- und Gedankenformen zu entwickeln und zu kultivieren.


Der Corona-Dämon hat über die Wurzeltendenzen (bei mir neben dem Wut- und Grummelmodi einen stark fördernden Einfluss auf meine Trägheit… ) massiven Einfluss auf unsere spirituelle Praxis. Meditieren, Reisen etc fällt echt schwer, zu viele wichtige Dinge im Scheinleben halten ab, oder sind schlicht und ergreifend zu anstrengend, fordernd, unbequem, zwingen zu hinschauen usw. etc… bis zum Absurden.

Was mir in dieser irren / wirren Zeit auch wieder stärker auffällt ist,  dass auch “vermeintlich ethische, moralische oder spirituelle Haltungen" eine Wurzeltendenz sein können welche von der Praxis abhalten. Zu oft selber erlebt und beobachtet dass solche Haltungen als Rechtfertigung für NICHTpraxis, NICHTwachstum etc. herhalten.


Ein Ziel jeder spirituellen Praxis sollte meines Erachtens das erreichen einer inneren Stille sein, eine Stille aus der die Kraft wächst in der Mitte des Strudels der Zeit und der Ereignisse achtsam mitfühlend zu SEIN, ohne Wertung, ohne Vorbehalte reine unverfälschte Präsenz im Hier und Jetzt.

GEDANKENARCHIV

Gedanken:                                           

 10. März 2020                                                   Wie innen so aussen - Ankerpunkte


Während den  Januar und Februar - Sturmnächten durfte ich etwas über Ankerpunkte lernen. Diese Punkte korrespondieren unter anderem mit den Elementen Feuer - Luft - Wasser - Erde. Nahe liegender Weise lag der Fokus der nächtlichen Unterweisungen auf dem Wind und was er mit mir macht. So erlebte ich in den ersten Nächten eine wachsende Unruhe in der Gegend meines Herzchakra’s. Nach einigen Sturmnächten realisiert ich dass nicht nur eine Unruhe entstand. Lies ich mich auf das Gefühl ein entstand eine sich im ganzen Körper ausbreitende Ruhe. Sie bewegte sich in Wellen verbunden mit einer fröhlichen Leichtigkeit und einem immer heller aufleuchtenden Licht. Dann durfte ich erleben wie die Windböe und die Wellen sich im Einklang aufbauten und wieder verebbten. Dieses Zusammenspiel duschte ich einige Nächte lang erfahren, richtiggehend darin baden.

Und dann kam die Nacht der Unterweisung. Einer meiner Verbündeten, am Bettende stehend, begann mir zu erklären, dass dieser Punkt welche so intensiv mit dem Wind korrespondiert ‚Ankerpunkt‘ genannt wird. Ruhe ich in diesem Punkt so reagiert der Wind entsprechend, bin ich unruhig, nicht ganz fokussiert entstehen Wirbel, Böen, Stürme. Diese Stürme können sich als Wind im Aussen manifestieren, sie können sich aber genau so gut in inneren von mir (oder jedem anderen Menschen)  zeigen. In dieser Nacht durfte ich noch einiges über Farbe, Licht und Klang des Windes erfahren.


In den nächsten Tagen übte ich  mit Achtsamkeit im und am Windpunkt. Bald entdeckte ich weitere Ankerpunkte bis ich eines morgen während meiner Morgenmeditation erlebte wie der ganze Körper mit solchen Punkten übersät ist. Einige dieser Punkte lassen sich einfach Elementen zuordnen, anderen den 4 Himmelsrichtungen, weitere sind mit meinen Verbündeten, Krafttieren, dem Platz an welchem ich leben usw. verbunden. Dazu hörte ich dass über diese Verbindungen eine gegenseitige Beeinflussung entsteht. Wettermuster, Klima, soziales Umfeld, alles scheint über diese Punkt miteinander zu interagieren.

Und wenn ich so an die letzten Tage denke, dann wundert es mich eigentlich nicht mehr dass die Welt in Dogmatismen (hier frage ich mich immer ernsthafter wo ein Dogmatismus in Faschismus umschlägt.. oder ob es gar das Selbe ist), engstirnigen Strukturen und unerfreulichem Chaos versinkt. Auf der einen Seite spalten wir alles immer weiter auf, vereinzelen soweit dass wir von den Nächsten, unseren Liebsten und der uns umgebenden Mitwelt abgespalten, gar isoliert dahin vegetieren. Mir wurde mitgeteilt, dass wir so auf einer Seite die Verbindungen über die Ankerpunkte verlieren und so auch im Innen in dieses Chaos abstürzen. Und dass wir über die Ankerpunkte unser inneres Chaos an die Aussenwelt mitteilen so diese beeinflussen.


Anstelle von Einheit, Ganzheit und Heilung kreieren und finden wir Spaltung, Trennung, Vereinsamung und Orientierungslosigkeit (Ankerpunkte ohne  Gegenüber).


Fassungslos und Traurig beobachte ich diese Tendenzen.



1. Januar 2020                                                                                              Nimm nichts persönlich


In den letzten Wochen habe ich mich immer wieder mit den 4 Agreements (nach Don Miguel Ruiz) beschäftigt. Meine Gedanken und Träume kreisten dabei hauptsächlich um Punkt 2: Nimm nichts persönlich. 

- Nichts was andere machen ist wegen Dir 

- Was andere machen oder sagen ist eine Projektion ihrer eigenen Realität und ihres eigenen Traumes (Traumas)

- Wenn Du für die Aktionen und Möglichkeiten anderer immun bist, bist Du kein Opfer sinnloser Dramen und Traumas mehr.


Mir ist aufgefallen dass dieser Satz; „Nimm nichts persönlich“ immer mal wieder als Rechtfertigung benutzt wird alles auf das Gegenüber zurück zu werfen. Das ist nicht im Geiste dieses Satzes. Es geht viel mehr darum, dass der oder die Betroffene erst sehr genau beobachtet was die Aktion, der Satz oder die  Empfehlung des Gegenüber genau auslöst. Entstehen Gefühle, Gedanken oder der tiefe Wunsch sich zu verteidigen, dann hat das Gesehen sehr wohl etwas mit dem Empfänger zu tun. Bleibt es hingegen ruhig, entspannt und entstehen keine Gefühle, keine Regungen oder Reaktionen, dann und nur dann hat die Aussage nichts (oder nicht viel) mit dem Empfänger zu tun. Wichtig erscheint mir auch, dass die Aktion nie aus dem Luft leeren Raum heraus geschieht. Der Empfänger und das Gegenüber bilden im Moment der Begegnung ein System welches sich auf einer Ebene spiegelt. Gefühle, Erfahrungen, Traumen etc werden getriggert, lösen auf beiden Seiten Aktionen und Reaktionen aus. So ist für mich inzwischen jede Begegnung, jedes Gespräch ein Möglichkeit mehr über mich zu lernen, meine Geschichten, Traumen, Albträume etc. zu erkennen und zum Gegenstand meiner Rekapitulationspraxis zu machen und durch das tägliche Pirschen aktiv zu verändern.

Im TorWeg ist das Bearbeiten von Anhaftungen ein sehr zentrales Anliegen. Anhaftungen sind in der Regel die Ursache von Aktions- Reaktionsspielen und dienen als Lernmöglichkeiten um zu wachsen, zu heilen, ganz zu werden.

Im Märzseminar 2020 wird in der Schweiz die Methode der TorWeg’s-Rekapitulation erstmal umfassend und strukturiert in der Öffentlichkeit unterrichtet. Mehr Informationen zu diesem Workshop finden Sie hier.



31. Dezember 2019                                                                           Die Effizienz gelernter Methoden


Einer meiner Lieblingssätze in der aktuellen Lektüre ist:

And remember, while terms and concepts of any system hold power by giving perspective and direction, there comes a time when they lose their effectiveness..“ (Zitat aus:  Ken Eagle Feather; On the Toltec Path; Bear & Company; Rochester, Vermont)

Nun sitze ich wieder vor diesem Satz… gefühlte 200 mal habe ich schon versucht meinen Blickwinkel dazu zu Papier zu bringen.

Meine Erfahrungen der letzten 32 Jahre bestätigen die Aussage von Ken Eagle Feather.  Im Laufe der Jahre durfte ich so einige schamanische Methoden kennen lernen. Einige davon haben für mich schnell sehr gut funktioniert, andere eher nicht. Angehalten von meinen Lehrern habe ich jedoch mit allen gearbeitet. Und so haben sich im Laufe der Zeit die Methoden verändert. Solche welche zu Anfang unzugänglich für mich waren sind Heute fester Bestandteil meines Toolkits, andere haben sich verabschiedet. Sie funktionieren für mich nicht mehr. Lange habe ich damit gehadert. Gerade weil die Methoden, die Übungen mit Gefühlen, Erlebnissen und meinen Lehrern verbunden sind (waren).  Mit wachsender Erfahrung und vielen, teilweise sehr harten Lektionen lernte ich meinen Weg kennen. Langsam verstand ich dass jeder Lehrer, jede Lehrerin, jede vermittelte Methode immer Möglichkeiten, Freiheiten präsentierten. Und sie brachten immer auch ihre eigenen ‚systemimanenten‘ Grenzen und Beschränkungen mit sich. So erinnere ich mich gerade Heute… 20 Jahre nach dem Ereignis wie mir meine Langzeitlehrer (annähernd 20 Jahre) mitteilte, dass die Informationen und Anweisungen welche ich durch meinen Spiritguides erhielt nicht für Menschen wie uns gedacht seien. Ich frage ihn damals: „Warum erhalte ich dann diese Informationen?“ und „Warum erlebe ich wenn ich diesen Anweisungen folge, tiefe Stille und ekstatische Freude?“ Darauf erhielt ich leider nie eine Antwort. Allerdings wusste ich an jenem Tag, dass damit meine „Lehrlingszeit“ bei ihm Geschichte geworden ist. Nur, wenn ich Heute schamanisch Arbeite gewinnen einige der Methoden welche er mir vermittelte neues Gewicht. Sie ermöglichen mir ein tieferes Eintreten in die Tranceerfahrung, direkteren Zugang zu den alltäglichen und nichtalltäglichen Welten.

Die Effizienz und Bedeutung von Methoden hängt meines Erachtens vom jeweiligen Thema des Praktizierenden ab. Sie hängen mit den Fortschritten und den aktuellen Herausforderungen zusammen. Es gibt kaum so etwas wie die richtige oder falsche Methode. Eher gibt es den richtigen oder falschen Zeitpunkt für eine Methode.

Und was von mir aus gesehen auch noch eine Rolle spielt sind die persönlichen Vorlieben. Ich liebte die grossen episch-mystischen Bilder und Geschichten. Und ich brauchte eine lange Zeit um mich mit kurzen, klaren und knappen Bilderwelten zurecht zu finden. 

So gesehen verändern sich die Methoden sowohl vom Inhalt als auch der Effizienz her gesehen mit dem Fortschreiten auf dem eigenen Weg.  Sie spiegeln die Fortschritte und die aktuellen Herausforderungen. Und das ist Richtig so.


23. September 2019                                    Von der Hauskatze und dem Säbelzahntiger


Vor einigen Tagen habe ich einen interessanten Post mit folgendem Vergleich gelesen.

Der "Corschamanismus" steht im Vergleich zum "echten" traditionellen Schamanismus wie die Hauskatze zum Tiger...

Persönliche finde ich diesen Vergleich spontan sehr zutreffend... mit einem ausgesprochen starken jöööö-Effekt. Ich stellte mir vor wie eine kleines putzige  Hauskatze vor einem Tiger steht und ihn anmiaut....

Der Autor des besagten Posts führt dann sehr anschaulich und sehr kongruent aus warum er das so sieht und... ich stimmte ihm aus ganzem Herzen zu.. bis ich vorletzte Nacht aus einem Traum zu diesem Thema erwachte mit dem Wissen, dass der Tiger ausstirbt… Mir wurde klar, dass der Tiger vor vielen Generation auch " nur" eine Hauskatze war,  so als ob überall auf dieser Welt Menschen damit begannen mit allen möglichen Wesen zu sprechen, alles als belebt und daher auch als beseelt wahrnahmen. In den alten Tagen war Schamanismus überhaupt kein Thema. Es war die persönliche spirituelle Praxis von kleinen Sippen, Dorf- und Stammesgemeinschaften. Es scheint so als ob der „Schamanismus“ eine  Zusammenfassung von solchen Praktiken ist und es DEN Schamanismus nie gab und besser auch nie geben würde. (Aber dazu äussere ich mich später etwas ausführlicher.)  Was wir in unseren Tagen als Schamanismus zusammenfassen ist nichts anderes als die Welterklärungsmodelle früherer Tage und diente u.a. dazu sich im Gewirr von Erfahrungen, Ängsten, Hoffnungen, Tragödien und Wunder irgend wie zurecht zu finden. Aber darum geht es mir im Moment auch nicht.


Mir geht es um folgendes. Hast Du, liebe Lesende, lieber Leser,  dir schon einmal Gedanken darüber gemacht warum es in der Erdgeschichte 3 unabhängig von einander entstandene Säbelzahntiger-Arten gab? Dazu habe ich im letzten Jahrtausend einen Artikel gelesen in welchem die Forschenden zur Konklusion kamen, dass das Phänomen Säbelzahntiger (korrekt eigentlich Säbelzahnkatzen) sozusagen die aktuelle evolutionäre Antwort auf die Situation in einem definierten Biotop war. War weil die Säbelzahntiger bekanntermassen ausgestorben sind. In dieser Arbeit wird der Gedanke aufgeworfen, dass aus jeder Katzenart, vorausgesetzt der evolutionäre Druck passt, eine neue Säbelzahnkatzen-Art entstehen kann (und im Moment deuten die Forschungsdaten darauf hin, dass sich aus dem Nebelparder eine solche Art entwicklen könnte (siehe Quellen)).


Aber was hat das ganze mit Schamanismus zu tun? Grundsätzlich gefällt mir die von Nicolas Breeze Woods skizzierte Analogie. Was ich mit dem Ausflug in die Welt der Säbelzahnkatzen aufzeigen möchte ist der Fakt dass, vorausgesetzt die Umstände erfordern es, aus eigentlich harmlosen Spielereine (Hauskatzen) durchaus ernstzunehmende Grossprojekte (Säbelzahnkatzen) entstehen können. Das heisst,  aus der Schamanismus-Spielerei „coreschamanismus“ wird sich mit den kommenden Generationen ein zeitgemässer, neuer Schamanismus entwickeln (was bei genauem hinschauen jetzt schon passiert und sehr wertvoll ist). Diese Tendenz hat u.a. Andrei A. Znamenski in seiner Publikation „The beauty of the primitiv“ dargelegt. Liebe Praktizierende, auch wenn ihr „nur“ Hauskatzen-Schamanismus praktiziert bleibt am Ball, arbeitet, folgt Euren Spirits, gebt es an folgende Generationen weiter und eines Tages steht dann der neue Säbelzahnkatzen-Schamanismus vor uns.


Und noch etwas; der Tiger stirbt aus. Seine Biotope verschwinden, seine Anpassungsfähigkeit reicht weder in der Kompetenz noch der Geschwindigkeit um mit den rasanten Veränderungen auf der Grossen Mutter noch Schritt zu halten. (Das ist keine Rechtfertigung für das idiotische „Macht euch die Erde untertan“ der heutigen dominierenden Biomasse.) Um in der Analogie zu bleiben, der alte Schamanismus wird und muss zwangsläufig im Staub der Geschichte verschwinden und einem neuen Platz machen.


Quellen:  

https://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Saebelzahntiger_gegen_moderne_Katze1771015585161.html

Znamenski, Andrei A. The Beauty of the Primitive. Shamanism and the Western Imagination. New York; Oxford University Press. 2007

Jakobson, Merete D.: Shamanism : traditional and contemporary approaches to the mastery of spirits and healing, Hg. v. Berghahn Books, 1999

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